Der Aussenseiter

Folgender Text ist eine Zelda-FanFiction, die ich für einen Wettbewerb vom Zelda-Forum geschrieben habe.
Wie man dort sehen kann, habe ich sogar den zweiten Platz erreicht.
Die Aufgabenstellung war, eine Geschichte zu schreiben, die in der Umgebung von Kakariko im Twilight Princess Universum spielt. Ausserdem durfte die Geschichte maximal drei Seiten lang sein.

Der Aussenseiter

Letzte Momente vor dem Tod

Ich bin anders als die anderen.

Das war mir schon nach kurzer Zeit in meinem jungen Leben bewusst. Doch wer anders ist, wird auch ausgeschlossen.

Das sind meine Gedanken, während das Leben meinem Körper entweicht. Doch ich bin froh, dass es so endet. Immer dachte ich, dass ich elendig sterben werde, ohne je etwas erreicht zu haben. Doch ich habe etwas erreicht!

„Urrgh…!“

Ein Schmerz durchzuckt mich. Lange werde ich nicht mehr durchhalten. Aber es ist in Ordnung. Denn ich konnte meinem Leben noch einen Sinn geben und sterbe somit mit erhobenem Haupt.
Zugegeben – mein Körper liegt mehr oder weniger zerstreut neben mir. Aber der Gedanke zählt!

Für diejenigen, die sich fragen, wie es dazu kam: lasst mich euch meine Geschichte erzählen…

Gegen alle Vernunft

Ich war gerade auf Patrouille mit den anderen Bulblins der Truppe. Aber kann man das „Patrouille“ nennen? Es war mehr eine unkoordinierte Schlachtung von jeglichen Lebewesen, die uns in den Weg kamen…

Ich frage mich, warum ich mich nicht wie die anderen an so einer Sache erfreuen kann. Ich sehe es einfach als barbarisch an. Ich würde lieber mit den Menschen und Tieren Frieden schliessen – nur das nehmen, was ich zum Überleben brauche.

Aber das ist gegen meine Natur.

Und wenn ich gegen meine Natur handle, falle ich auf.
Und wenn ich auffalle, töten mich meine Brüder.

„Ob sie mich wohl auch essen würden…?“, dachte ich still in mich hinein.

„Haaaa?!“

Mist, da ist mir wohl ein Gedanke laut rausgerutscht. Ich sprach natürlich nicht die Menschensprache, sondern die Sprache der Bulblins.

Ich winkte nur ab - das sollten sie alle verstehen. Danach spann ich meine Hirngespinste über Bulblin-Kannibalismus weiter.

Schritte?

Ja, hier in Kakariko gibt es ein paar Kinder, die hin und wieder herumspielen. Ich schaute den Felsen hinauf, woher die Schritte kamen.

Es war keines der Kakariko-Kinder.

Ein kleines Mädchen, anscheinend aus der Stadt. Wie kommt sie in diese Gegend? Und wie zur Hölle kam sie da rauf? Unsere Augen trafen sich – und zu meiner Überraschung rannte sie nicht weg, sondern lächelte, als wäre sie das reinste Geschöpf auf Erden.
Nein – sie winkte sogar!

Mist! Wenn das so weitergeht, wird sie noch entdeckt!

Ohne weiter zu warten warf ich so unauffällig wie möglich einen Stein in die entgegengesetzte Richtung.
Die anderen horchten auf und rannten sofort an die Stelle, an der er landete. Der gewünschte Effekt war erreicht.
Während ich innerlich aufatmete, folgte ich meinen Brüdern. Doch ich wurde prompt wieder zum Umdrehen verleitet, als ich ein dumpfes „Plump“ hörte. Gefolgt von einem wehleidigem Weinen.

Das war leider nicht versteckbar vor diesen brutalen Monstern. … trotzdem, ich bin einer von ihnen…

Ich sah, wie einer der Bulblins mit gezückter Waffe auf sie zurann. Ohne nachzudenken rannte ich doppelt so schnell zu ihm und parierte seinen Hieb.
Ich war unter den anderen nie als besonders kraftvoller Bulblin bekannt, aber ich hatte auch nie die Motivation zum Kämpfen.

Innerlich konnte ich mich nur auslachen: warum mache ich sowas? Warum konnte ich nicht anders, als mein Testament zu unterschreiben, nur wegen eines kleinen Görs?

Ich wusste, dass ich nun wahrscheinlich sterben werde. Nein, ich würde sicher sterben. Das war mein eigenes Verschulden. Aber wenn ich nun schon mein Leben für dieses Mädchen aufgegeben habe, dann will ich auch alles geben!

Mit diesen Gedanken stiess ich meine Waffe tief in den Wanst meines Gegenübers. Ohne weiter zu warten, rannte ich auf den nächsten zu, welcher noch verdutzt dastand. Diesen Moment nutzte ich aus und enthauptete ihn so schnell es ging. Endlich zeigt es sich mal als nützlich, dass ich nicht eine Keule als Waffe gewählt habe. Drei waren noch übrig.

Na dann!

Ich legte meine Waffe waagrecht in meine Krallen und rannte auf zwei von ihnen zu, die gerade praktisch nebeneinander standen. Einer konnte ausweichen, der andere fiel zu Boden. Die Situation nutzend, sprang ich mit vollem Gewicht auf den Bauch des am Boden liegenden Bulblins – das Gesicht zu den anderen Zweien gewandt. Mit einem kurzen Blick bestätigte ich, dass derjenige unter mir nicht mehr bei Bewusstsein war und führte eine Sprungattacke auf den Gegner vor mir aus. Volltreffer! Der Anblick, der sich entfaltete, war aber nicht gerade schön. Ich wette, die hätten nie gedacht, dass ich besser kämpfen kann, als sie. Doch ich habe etwas zu beschützen! Deshalb rannte ich auf den letzten zu, der seinerseits mit voller Kraft auf mich zu rannte.

Unsere Waffen kreuzten sich und er fiel auf den Rücken.
– Nein! Das war eine Finte!

Er rollte seitwärts und stellte mir den Haken. Der nächste Moment kam mir vor, wie eine Ewigkeit. Ich wusste, dass alles aus ist, wenn ich nun falle. Kann es so enden? Das Kind würde auch sterben, soviel ist sicher. Das kann ich nicht zulassen. Meine Brüder haben bereits genug unschuldige Leben ausgelöscht.

Mit neuer Willenskraft stützte ich mich mit meinen Händen ab und schlug der Figur hinter mir mit den Füssen das Gesicht ein. Meine Statur sah wohl gerade sehr, sehr merkwürdig aus. Aber das ist egal. Er schrie auf und hielt sich sein Gesicht. Das war meine Chance! Ich rannte auf das Kind zu, packte es auf meine Schulter und steuerte Richtung Stadt zu. In den Augenwinkeln sah ich, wie der Bulblin von vorhin und der zuvor ohnmächtige aufstanden, um mich zu verfolgen. Mit grossen Schritten lief ich vorwärts. Meine Kraft war schon lange erschöpft. Aber ich wollte wenigstens dieses eine Leben vor den Bulblins retten...

Am Ende wartet der Tod

Ein Pfeil schoss an meinem Ohr vorbei und hinter mir plumpste etwas auf den Boden. Ohne Zurückzublicken rannte ich. Ich war immer noch weit von meinem Ziel entfernt.

Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen.

Pferdehufe, ein Kampfschrei, ein geschwungenes Schwert… und zuletzt ein fallender Bulblin.

Zwei fielen, ich bin noch übrig. Der Rest war klar – ich war so gut, wie tot. Aber ich wusste auch, dass es bedeutet, dass dieses Kind weiterleben darf.

Und so drehte ich mich um, nahm das Kind herunter und legte es sorgfältig neben eine der blühenden Blumen, die spärlich auf den Feld wuchsen. Der grün gekleidete Vollstrecker ritt mit vollem Galopp auf mich zu. Aber mein Blut soll dieses Kind nicht beflecken, weshalb ich mich ein paar Schritte vom Mädchen entfernte.

Mit erhobenen Blick, schaute ich meinem Ende entgegen. Einer Existenz, wie die meine, ist es nicht erlaubt, zu leben.

Der Schwung… ging direkt durch meinen Körper. Doch es war eine Ehre, durch eine solch edle Klinge zu sterben.

- Und so kam ich in diese Situation.

Die ehrenhafteste Geschichte meines Lebens, welche gleichzeitig die idiotischste ist.

Aber ich hatte mein Ziel erreicht.

Mein letzter Blick erfasste die Silhouette eines jungen Mannes, der zusammen mit einem Mädchens in den Horizont ritt.